18 Merkmale für nachhaltiges Bauen
Die Baureferate der Evangelischen Kirche Hessen und Nassau haben praktische Merkmale für die Umsetzung ihrer Nachhaltigkeitsziele entwickelt. Dazu gehören energieeffiziente Bauweisen, der Einsatz regenerativer Materialien und die Förderung der Barrierefreiheit in kirchlichen Bauprojekten.
Eine Übersicht:
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Ziel
Für die Projekte im Bereich des kirchlichen Bauens wird ein für die Baumaßnahme im Einzelfall beschriebenes und festgelegtes Projektmanagement mit Bausteinabfolge in Ableitung von Musterworkflows implementiert und laufend dokumentiert.
Erläuterung
Klare Rollenverteilung, abgestimmte Abläufe von der Idee einer Baumaßnahme über die Projektumfang bis Dokumentation, Transparenz von Zuständigkeiten, Abläufen. Projekte werden termingerecht in der geforderten Qualität zum vereinbarten Kostenrahmen umgesetzt.
Durchführung
Klärung der Rollen, Projektmanagement, Vorbereitung einer Baumaßnahme, Projekthandbuch
Ziel
Die Gebäude sollen eine lebendige Weiterentwicklung des Glaubens und dessen Ausübung fördern.
Erläuterung
Durch die Liturgie wird der Glaube als gemeinschaftliches Erlebnis sichtbar. Die baulichen Gegebenheiten sollen alle bestehenden Formen der Liturgie ermöglichen und neue Potentiale erschließen. Hierbei wird bewusst auch der Außenraum als Ort des Gottesdienstes berücksichtigt.
Durchführung
Neben den etablierten Formen des Gottesdienstes (wie z.B. Kindergottesdienst, Taufe) werden neue Formen der Glaubensausübung gefördert. Hierzu zählen z.B. Einzelfrömmigkeit, seelsorgerische evangelische Feiern oder Außengottesdienste. Nicht alle liturgische Formate gehen überall!
Ziel
Die Benutzung kirchlicher Gebäude ohne gesundheitliche Beeinträchtigung wird sichergestellt.
Erläuterung
Die Auswahl von baubiologisch unbedenklichen Baustoffen soll eine gesunde und gefährdungsfreie Nutzung des Gebäudes gewährleisten. Umweltverträgliche Baustoffe stellen auch am Ende ihres Lebenszyklus keine Gefahr für nachfolgende Generation dar.
Durchführung
In Ausschreibung und Planung werden ausschließlich baubiologisch unbedenklichen Baustoffe berücksichtigt.
Ziel
Die kulturelle und religiöse Sichtbarkeit der Gebäude im öffentlichen Raum wird gestärkt.
Erläuterung
Die Gebäude der EKHN stehen in einer langen Tradition von kulturellen und religiösen Leben im Stadtraum. Trotz schrumpfender Gemeinden trägt die Kirche weiterhin Verantwortung für soziale Aufgaben im Stadtraum. Die Sichtbarkeit dieses Engagements drückt sich auch in der baulichen Ausgestaltung der Gebäude und ihres Umfelds aus. Die Gebäude sollen als Anlaufpunkt für alle Menschen im Umfeld dienen.
Durchführung
Die Wirkung im Stadtraum wird durch eine qualitätvolle Außenraum- bzw. Platzgestaltung gestärkt. Die Verbindung von Innen- und Außenraum wird durch bauliche Maßnahmen gefördert und durch lichtemissionsarme Beleuchtung unterstützt.
Ziel
Die Lebensdauer der Gebäude wird durch die Sicherstellung der Aufwendungen im Lebenszyklus verlängert.
Erläuterung
Die Lebensdauer eines Gebäudes hängt neben der guten Bauqualität im Wesentlichen von einer lückenlosen Unterhaltpflege ab. Diese besteht
aus regelmäßigen Baubegehungen in den Wartungs- und Sanierungsintervalle durchgeführt, überprüft und angepasst werden.
Durchführung
Die Ressourcen für Wartung, Bauunterhaltung und Pflege werden personell und fiskalisch über den gesamten Nutzungsprozess sichergestellt.
Ziel
Für das Gebäude wird die Verwendung von nachwachsenden, recycelten, downgecycelten oder wiederverwendeten Baustoffen angestrebt.
Erläuterung
Mit der Verwendung von Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern wird die Auswirkung der Ressourcenverwendung auf das Nötigste begrenzt. Bei Verwendung von Stein, Beton oder Stahl kann auf Produkte mit hohem Recyclinganteil zurückgegriffen werden. So weit wie möglich werden ausgebaute Baustoffe und Bauteile von der Baustoffbörse verwendet bzw. dort eingestellt.
Durchführung
Bei allen Ausschreibungen und Vergaben wird auf die Verwendung von R-Baustoffen geachtet.
Ziel
Durch die hohe Qualität der Bauausführung soll die Nutzungsdauer des Gebäudes maximal erhöht werden.
Erläuterung
Die Sicherstellung einer hohen Bauqualität erhöht die maximale Nutzungsdauer des Gebäudes und erhöht den Nutzungskomfort. Wartungs- und Instandhaltungsintervalle sichern die konstruktive und optische Lebensdauer von Bauteilen. Definierte Qualitätssicherungsprozesse schaffen klare Schnittstellen zwischen Bauherrn und Nutzer.
Durchführung
Alle Beteiligten werden in Qualitätssicherungsprozesse eingebunden, in denen Verantwortlichkeiten klar benannt sind. Der Prozess bildet bewusst alle Phasen des Lebenszyklus ab und erstreckt sich somit von Planungsfreigabe-, Abnahme- bis zur Instandhaltungsphase.
Ziel
Zur Erhöhung der Nutzerfreundlichkeit wird die thermische und akustische Behaglichkeit in den Innenräumen sichergestellt.
Erläuterung
Die thermische Behaglichkeit im Sommer und Winter ist für den Nutzer ein wesentlicher Einflussfaktor für Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit. Die akustische Qualität eines Gebäudes wird maßgeblich in den frühen Planungsphasen festgelegt. Hierbei spielen Raumgrößen, Oberflächenmaterialien und das Nutzungskonzept eine wesentliche Rolle. Für die Umsetzung sind bauliche Lösungen den technischen Lösungen vorzuziehen.
Durchführung
Durch thermische und akustische Raumsimulationen können alle Nutzergruppen frühzeitig in Planungsentscheidungen eingebunden werden.
Ziel
Das Projekt erhält durch eine intensive Vorbereitung unter Einbeziehung der späteren Nutzer von Beginn an eine klare Zielorientierung und eine hohe Qualität.
Erläuterung
Durch die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in den frühen Planungsphasen können nachhaltige Gebäudequalitäten ohne Mehraufwand erreicht werden. Die Umsetzung erfolgt mithilfe von Bedarfs- und Zielanalysen sowie Planungswettbewerben.
Bedarfsplanung
Bei einer Bedarfsplanung werden zu Beginn des Projektes die Bedürfnisse, Ziele, Mittel und Rahmenbedingungen des Bauherrn und der Nutzer ermittelt. Damit können alle Anforderungen an das Projekt aufgenommen und ihre Umsetzung überwacht werden.
Ausschreibung der Planung
Bei der Auswahl der Planungsbüros wird bereits im Vorfeld auf eine Qualifizierung im Hinblick auf Nachhaltigkeitsaspekte geachtet. Ein wettbewerbliches Verfahren bei komplexen Baumaßnahmen sichert vielfältige Lösungen. Durch die Abfrage von Nachhaltigkeitsaspekten wird eine ganzheitlich hohe Güte und Qualität sichergestellt.
Durchführung
Bedarfsplan
Zielvereinbarung Bauherr Nutzer
Ergebnisse Gebäudestrukturprozesse
Ziel
Durch eine gezielte Gebäudegestaltung und Materialwahl soll der Reinigungs- und Instandhaltungsaufwand reduziert werden.
Erläuterung
Die Reinigungs- und Instandhaltungsfreundlichkeit hat einen hohen Einfluss auf die Nutzungskosten. Bei allen Bauteilen der Gebäudekonstruktion und der Gebäudetechnik wird größten Wert auf die Instandhaltungsfreundlichkeit und Wartungsfreundlichkeit gelegt.
Durchführung
Für alle pflege- und wartungsintensive Bauteile (Fassade, Dach, Bodenbeläge, Wandoberflächen) wird ein Wartungs- und Instandhaltungskonzept in einer frühen Projektphase erstellt (Lebenszyklusbetrachtung).
Ziel
Zu Förderung der Baukultur und dem Erhalt von Baudenkmälern für die nachfolgenden Generationen wird die langfristige und bewahrende Nutzung von Baudenkmälern sowie die restauratorische Arbeit im Handwerk gefördert.
Erläuterung
Die besondere Bedeutung der Baukultur und die Bewahrung von Baudenkmälern ist ein wichtiger Bestandteil des kirchlichen Bauens. Durch die Förderung von handwerklicher und restauratorischer Arbeit wird kulturell bedeutsame Bausubstanz für die Nachwelt erhalten bzw. geschaffen.
Durchführung
Bei Ausschreibung und Vergabe werden Planer und Ausführende mit besonderer Erfahrung berücksichtigt.
Ziel
Der Energiebedarf des Gebäudes und der Einsatz von nicht erneuerbaren Energien wird reduziert.
Erläuterung
Der Energiebedarf des Gebäudes setzt sich im Nutzungszeitraum aus dem Primärenergiebedarf und den Transmissionswärmeverlusten der Gebäudehülle zusammen. Die Deckung des Primärenergiebedarfs soll zu einem möglichst großen Teil durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Durch die Reduktion der Transmissionswärmeverluste soll der Primärenergiebedarf auf das Notwendigste reduziert werden.
Durchführung
Für das Gebäude wird ein abgestimmtes Energiekonzept erstellt.
Ziel
Durch ein ausgewogenes Nutzungskonzept soll Bedeutung und Identität im Quartier gesteigert werden.
Erläuterung
Durch die Einbindung von kirchlichen und nicht kirchlichen Nutzergruppen wird die Bedeutung des Gebäudes im Quartier erhöht. Alle Nutzergruppen werden in den Prozess mit eingebunden und in der Planung berücksichtigt. Das Gebäude soll identitätsstiftend sowie inspirierend ins Umfeld eingebunden werden und zu einem lebendigen Stadtbaustein werden. Hierbei wird die Inklusion besonders berücksichtigt.
Durchführung
Die Erarbeitung der Projektgrundlage wird auf einer partizipativen Beteiligung aller Nutzergruppen aufgebaut. Dies wird durch Workshops, Planungswerkstätten o.ä. gewährleistet.
Ziel
Zur Schaffung eines behaglichen Raumklimas wird eine definierte Innenraumqualität sichergestellt.
Erläuterung
Bauprodukte sind eine bedeutsame Quelle für die Belastung für die Innenraumluft. Gefährdungen durch Schadstoffe aus den Bauteilen müssen zuverlässig ausgeschlossen werden. Neben den aus dem Gebäude emittierenden Schadstoffen beeinträchtigen die CO2-haltige Atemluft und die biologischen Ausdünstungen der Nutzer die Innenraumluftqualität. Daher muss ein ausreichender Luftwechsel sichergestellt werden. Die Lüftung des Gebäudes erfolgt über eine entsprechend auszulegender technischer Anlage oder/und mit vom Nutzer zu bedienenden Lüftungsöffnungen (Fenster). Einfache bauliche Lösungen sind hier den technischen Lösungen vorzuziehen.
Durchführung
Für das Projekt wird ein Lüftungskonzept unter Berücksichtigung möglicher schädlicher Einflussfaktoren aus der Emission aus Bauteilen erstellt.
Ziel
In der Projektvorbereitung wird eine Bestandsdokumentation erstellt und während der Bauausführung fortgeführt.
Erläuterung
Die Bestandsdokumentation schafft eine verlässliche Konzeptgrundlage vor Beginn der eigentlichen Planungsphase. Aufwändige Nacharbeiten während der Ausführungsphase können minimiert werden. Die Kosten- und Terminsicherheit wird erhöht. Die Fortführung der Bestandsdokumentation mit Ist- und Soll-Zustand kann für spätere Sanierungs- oder Umbauphasen direkt wiederverwendet werden.
Durchführung
Vor Planungs- bzw. Wettbewerbsstart wird eine Bestandsdokumentation aus Planunterlagen, Haustechnikkonzepten, Baugenehmigungen, Standsicherheitsnachweise usw. zusammengestellt. Fehlende Unterlagen werden ggf. durch 3D-Aufmaße, Untersuchungen zur Baustatik usw. hergestellt.
Ziel
Sensibilisierung aller Projektbeteiligten über ihre Rechte, Pflichten sowie Aufgaben in der Bauphase und anschließend im Betrieb.
Erläuterung
Klare Zuständigkeiten und Schnittstellendefinitionen über den gesamten Lebenszyklus haben großen Einfluss auf die Nutzungs- und Lebensdauer des Gebäudes. Wartungsintervalle und Instandsetzungen werden verlässlicher und zur richtigen Zeit durchgeführt. Verantwortlichkeiten und Identifikation mit dem Gebäude werden gestärkt. Nichtübertragbare Pflichten des Gebäudeeigentümers werden klar definiert.
Durchführung
Durchführung, Erstellung und Anwendung eines gebäudebezogenen Betreiberhandbuchs sowie Erstellung eines Schnittstellenkatalogs ab Planungsstart und Übergabe mit der Dokumentation.
Ziel
Durch attraktive Gebäude wird Identifikation und Anziehungskraft der kulturellen und religiösen Nutzung erhöht.
Erläuterung
Die Bedeutung kirchlicher Gebäude drückt sich in ihrer inneren und äußeren Attraktivität aus. Ein architektonisch attraktives Gebäude unterstreicht die Aufgabe als Ort für Kultur und Religion und schafft Identifikation im Stadtraum. Durch die Einbindung vieler Nutzergruppen aus dem Quartiersumfeld in religiöse-, kulturelle- und Freizeitaktivitäten wird die Attraktivität der Glaubensgemeinschaft gestärkt.
Durchführung
Förderung qualitätvoller Architektur, z.B. durch Planungswettbewerbe oder Vergabeverfahren. Erstellung von Nutzungskonzepten, um alle Beteiligten zu berücksichtigen. Bei Nutzungserweiterungen wird der Bedarf des Gemeinwesens mit einbezogen. Gebäude erhalten einladende Zugänge.
Ziel
Für alle Abläufe im kirchlichen Bauen ist ein Prozessmanagement eingeführt.
Erläuterung
Alle Informationen zum Gebäude werden bestmöglich genutzt. Wiederkehrende Abläufe sind optimiert bzw. standardisiert. Durch die aktive Steuerung der Prozesse im Planungs- und Bauablauf über den gesamten Lebenszyklus, können Nutzungskosten gesenkt und die Lebensdauer des Gebäudes verlängert werden..
Durchführung
Alle Gebäude werden auf einer gleichen Datenbasis analysiert. Synergiepotenziale werden ermittelt und ausgeschöpft. Die einzelnen Prozessschritte werden umgehend dokumentiert. Mögliche Synergien werden genutzt.